Die Diskussion um die Vielfalt bei den Winterspielen
Schneebedeckte Gipfel und rasante Abfahrten – die Winterolympiade zieht nicht nur Sportbegeisterte in ihren Bann, sondern wird auch zum Schauplatz wichtiger gesellschaftlicher Debatten. Eine aktuelle Analyse der Associated Press (AP) beanstandet die mangelnde Diversität in den Teams europäischer Nationen, die an den Winterspielen teilnehmen. Diese Teams werden als „überwiegend weiß“ beschrieben, was zu einer intensiven Diskussion über die Repräsentation von Einwanderern in diesen Sportarten führt.
In einem Artikel von AP wird aufgezeigt, wie die Immigration aus Afrika und dem Nahen Osten die Demografie Europas innerhalb der letzten Jahrzehnte verändert hat. Im Gegensatz dazu sendet die USA ein Team, das als eines der vielfältigsten gilt. Hier steht die Situation in Ländern wie Frankreich, Deutschland und der Schweiz im Fokus, deren Kader in starkem Kontrast zur Vielfalt ihrer Gesellschaften stehen.
Diversität bei den Winterspielen: Ein Blick auf Schweden
Ein besonders prägnantes Beispiel liefert Schweden, das bei den kommenden Winterspielen in Mailand-Cortina ein Team stellen will, das fast ausschließlich aus ethnisch schwedischen Athleten besteht. Lediglich der NHL-Spieler Mika Zibanejad, dessen Vater aus dem Iran stammt, steht exemplarisch für die Diversität des Landes. Laut der schwedischen Statistikbehörde SCB wurden rund 2 Millionen von Schwedens 10 Millionen Einwohnern im Ausland geboren, etwa die Hälfte davon in Asien oder Afrika.
Die Diskussion um die Vielfalt beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Nordischen Länder. Ein jüngstes Beispiel wird durch die Schilderungen von Maryan Hashi, einer somalischen Migrantin, illustriert. Hashi kam 2009 nach Schweden und fand erst 2018 durch ein Integrationsprojekt Zugang zu einem Skihang in ihrer Nähe. Sie erklärte, dass der Mangel an Informationen und Möglichkeiten in Migrantenfamilien oft dazu führt, dass Sportarten wie Snowboarden als „reinweiß“ wahrgenommen werden.
Herkunft und Sportarten: Eine Herausforderung
Josef Fahlen, Professor für Sportpädagogik an der Universität Umeå, hebt hervor, dass die Kinder nicht-europäischer Einwanderer selten in Sportarten eingeführt werden, mit denen ihre Eltern nicht vertraut sind. Fußball, der in Eritrea stark verankert ist, ist für einen Migranten wie Isak nachvollziehbar, während Skisport für ihn fremd bleibt. Dies zeigt, wie wichtig frühzeitige Zugänge zu verschiedenen Sportarten für die Diversität sind.
Die AP betont, dass auch andere europäische Länder, trotz der veränderten demografischen Verhältnisse, hinter den Möglichkeiten einer vielfältigen Teamzusammensetzung zurückbleiben werden. Viele Fragen im öffentlichen Raum bleiben unbeantwortet: Wieso spiegelt sich die Diversität nicht in den Kadern der Winterspiele wider?
Öffentliche Reaktionen und Ansichten
Die Diskussion hat auch in sozialen Medien für Aufsehen gesorgt, wo einige Nutzer spöttisch anmerkten, dass es wenig überraschend sei, dass Sportarten wie Skifahren nicht von Migranten aus dem Nahen Osten oder Afrika dominiert werden. Dies wirft jedoch tiefere Fragen zu den Erwartungen und Zugangshürden auf, die es notwendig machen, über die Integration in den Wintersport zu sprechen.
Die Winterspiele bieten somit nicht nur einen Wettbewerb der Nationen, sondern auch einen Spiegel unserer Gesellschaften, in denen das Streben nach Vielfalt und Inklusion weiter diskutiert werden muss. Die Frage bleibt, wie wir diese Herausforderungen angehen und welche Maßnahmen ergriffen werden, um eine tatsächliche Repräsentation aller gesellschaftlichen Gruppen zu fördern.