In einer bedeutenden Wende für die europäische Verkehrspolitik hat Manfred Weber, ein führender Gesetzgeber in Brüssel, angekündigt, dass die Europäische Union den geplanten Verbot des Verbrennungsmotors aufgibt.

Nach erheblichem Widerstand aus Ländern mit starken Automobilindustrien, darunter Deutschland, Italien, Polen und Tschechien, hat die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, Berichten zufolge zugestimmt, das Verbot des Verbrennungsmotors in Europa bis 2035 nicht durchzusetzen.

Neuer Kurs in der Verkehrspolitik

In einem Gespräch mit der deutschen Tageszeitung Bild erklärte Weber: „Ein Verbot der Technologie für Verbrennungsmotoren ist vom Tisch.“ Statt eines vollständigen Verbots ab 2035 werden die Automobilhersteller nun Zielvorgaben zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen um 90 Prozent anstreben, anstatt um 100 Prozent. „Es wird auch kein Ziel von 100 Prozent ab 2040 geben,“ fügte er hinzu.

Dieser Schritt sorgt dafür, dass „alle in Deutschland derzeit hergestellten Motoren folglich weiterhin produziert und verkauft werden können“, so Weber weiter. Dies sei eine Maßnahme, um sowohl die Klimaneutralität als auch die technologische Neutralität zu wahren, und sende ein wichtiges Signal an die gesamte Automobilindustrie.

Reaktionen der politischen Akteure

Trotz dieser neuen Vereinbarung bedarf es noch der formalen Bestätigung durch das Europäische Parlament. Dennoch ist klar, dass eine umfassende Transformation der deutschen Autoindustrie nötig ist, da 80 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge im Land weiterhin mit Benzin oder Diesel betrieben werden.

Markus Söder, der führende Politiker der CSU in Bayern, betonte, dass diese Vereinbarung nur der „erste Schritt“ sein könne. Eine Quote von „zehn Prozent Verbrennungsmotoren ist nicht genug“, äußerte er sich besorgt.

Stimmen aus der Industrie

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, erklärte, dass es für die deutsche Automobilindustrie entscheidend sei, einen technologie-neutralen, pragmatischen Ansatz zu verfolgen, der die globalen Entwicklungen berücksichtigt. „Wir begrüßen Vorschläge, die diese Komplexität im Blick haben und sicherstellen, dass die industrielle Wertschöpfung eine Zukunft in Deutschland und Europa hat,“ so Müller.

Zusätzlich gab es massiven Druck von italienischer Seite: Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte sich für eine Abkehr vom Verbot des Verbrennungsmotors stark gemacht. Sie hatte zuvor die Pläne als „selbstzerstörerisch“ bezeichnet und betont, dass die Begleitung des Industriesektors bei der ökologischen Transformation nicht den Abbau ganzer Industrien bedeuten dürfe.