Am Donnerstag werden die deutschen Gesetzgeber über ein neues Gesetz abstimmen, das Betreiber kritischer Infrastrukturen verpflichtet, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. Ziel ist es, Verwundbarkeiten gegenüber Terrorismus, Unfällen und anderen Notfällen zu reduzieren.
Die Abstimmung über das Gesetz erfolgt in einem angespannten politischen Klima, in dem die Sorge vor Sabotageakten und anderen Bedrohungen der nationalen Sicherheit durch Russland zunimmt.
Das Kritis-Dachgesetz im Fokus
In einer Mitteilung des Bundestages am Mittwoch wurde bekannt gegeben, dass der Gesetzentwurf, bekannt als das “Kritis-Dachgesetz”, vom Innenausschuss mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD sowie der AfD angenommen wurde. Die Grünen und die Linke haben sich enthalten. Der Gesetzentwurf steht nun in der finalen Beratung im Plenum des Bundestages.
Dieses Gesetz zielt darauf ab, zum ersten Mal „einheitliche Mindestanforderungen“ für den physischen Schutz kritischer Infrastruktureinrichtungen in Deutschland zu etablieren und umzusetzen.
Sicherheitsanforderungen für Betreiber
Das Bundestagsgesetz erklärt, dass Betreiber von „kritischen“ Einrichtungen verpflichtet sind, „angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen“ zum Schutz ihrer Einrichtungen zu ergreifen. Zudem erhält das deutsche Innenministerium die Befugnis, die Mindestschutzanforderungen festzulegen. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einführung eines Systems zur Meldung von Vorfällen.
Alexander Dobrindt, der deutsche Innenminister, betonte bei der Vorstellung des Gesetzes im September: „Mit dem Gesetz zum Schutz kritischer Infrastrukturen machen wir Deutschland widerstandsfähiger gegen Krisen und Angriffe.“
Dringlichkeit und Relevanz des Gesetzes
Wenn das Gesetz verabschiedet wird, bringt es Deutschland in Übereinstimmung mit EU-Richtlinien und sorgt dafür, dass etwa 1.700 essentielle Dienstleister ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärfen. Diese Maßnahme betrifft mehr als 500.000 Menschen in Deutschland, die in Bereichen wie Energie, Wasser, Lebensmittel, Gesundheit und Kommunikation tätig sind.
Berichten zufolge hat Deutschland in den letzten Jahren zunehmend mit einer Kampagne von Sabotage, Espionage und Desinformation zu kämpfen, die als russisch beschrieben wird. Diese Umstände haben die dringende Notwendigkeit eines besseren Schutzes der Infrastruktur noch einmal verstärkt.
Eine radikale linke Gruppe führte kürzlich einen Angriff auf Hochspannungsleitungen in Berlin durch, welcher Tausende für über zwei Tage ohne Strom ließ. Diese Vorfälle erhöhen den Druck auf die Politiker vor Ort, Maßnahmen zum Schutz der Infrastruktur zu ergreifen.
Kritik am Gesetzentwurf
Das noch zu behandelnde Gesetz hat Kritik von der deutschen Grünen Partei auf sich gezogen, die es als „völlig unzureichend“ bewerten. Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionschef, äußerte: „Wir sind noch weit entfernt von dem dringend benötigten einheitlichen Schutz unserer kritischen Infrastruktur.“