Die digitale Vermögenslandschaft in Europa steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Mit der Verabschiedung der Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCA) durch die EU wird die gesamte Branche neu gestaltet. Diese Regulierung zielt darauf ab, einen risikogerechten Rahmen zu schaffen und den Anlegerschutz zu erhöhen. Die Auswirkungen sind bereits spürbar, wie die schweizerische Plattform SwissBorg berichtet, die über eine Million registrierte Nutzer und ein verwaltetes Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar hat. Jeremy Baumann, COO von SwissBorg, äußerte sich optimistisch und erwartet, dass die MiCA-Lizenz Europas Bedeutung in den regulierten digitalen Vermögenswertmärkten stärken wird.

Baumann weist darauf hin, dass die Ökonomie von Krypto-Brokerage in schwächeren Marktzyklen herausfordernd sein kann. Er prognostiziert, dass der Markt aus weniger, aber widerstandsfähigeren Akteuren bestehen könnte, da MiCA die regulatorischen und operativen Standards erhöht. Der kürzliche Austritt von Gemini aus der EU könnte dabei als Zeichen gewertet werden, dass die Präsenz globaler Börsen in der Region abnimmt, was wiederum Raum für europäische Anbieter schaffen könnte. SwissBorg selbst hat die letzten Monate mit Herausforderungen zu kämpfen gehabt, nachdem im September 2025 ein Ausnutzungsfall auftrat, bei dem 192.600 SOL im Wert von 41,5 Millionen USD gestohlen wurden. Dieser Vorfall betraf weniger als 1 % der Nutzer und resultierte aus einer kompromittierten API eines Partners, nicht aus einem Hack der Plattform selbst.

Erwartungen und Entwicklungen im Krypto-Markt

Die MiCA-Verordnung führt auch zu klareren Regeln bezüglich Ertrags- und Staking-Produkten, die stärker auf Offenlegung und Risikomanagement ausgerichtet sein werden. Zudem wird der Rahmen für Stablecoins detaillierter gestaltet, was direkte Auswirkungen auf die Entwicklung von Ertragsmodellen haben könnte. Aktuell hält SwissBorg laut Defilama-Daten etwa 800 Millionen USD an Total Value Locked (TVL). In Anbetracht der regulatorischen Klarheit könnte sich auch die institutionelle Beteiligung erhöhen, während der europäische Markt derzeit von Privatanlegern dominiert wird. Baumann betont, dass traditionelle Finanzinstitute sowohl Wettbewerber als auch Partner sein können, was die zukünftige Zusammenarbeit zwischen diesen Sektoren beleuchtet.

Die EU-Regulierungsbehörden, darunter die BaFin, arbeiten bereits an spezifischen technischen Regelungen und Leitlinien, die die Compliance-Anforderungen im Krypto-Sektor festlegen. Anbieter von Kryptowerten müssen ein Whitepaper erstellen und der Aufsichtsbehörde übermitteln, um Transparenz und Sicherheit zu gewährleisten. Die EU hat zudem festgelegt, dass für das öffentliche Angebot von E-Geld-Token und vermögenswertreferenzierten Token eine Genehmigung erforderlich ist. Diese Genehmigungen gelten EU-weit, was eine einheitliche Regulierung innerhalb der Mitgliedstaaten fördert.

Stabilität und Sicherheit im Fokus

Die MiCA definiert verschiedene Kategorien von Kryptowerten, darunter E-Geld-Token und vermögenswertreferenzierte Token. Gängige Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum fallen unter diese Regulierung, während Security Token und NFTs in der Regel nicht erfasst sind. Anbieter mit mehr als 15 Millionen aktiven Nutzern unterliegen einer zusätzlichen Aufsicht, was die Verantwortung auf die größeren Akteure im Markt verstärkt. Die bevorstehende Einführung der „Travel Rule“ wird ebenfalls einen Einfluss auf die Identifizierung von Kunden zur Geldwäscheprävention haben, indem sie sicherstellt, dass Transaktionen über 1000 Euro klar nachvollziehbar sind.

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Die MiCA-Verordnung tritt größtenteils ab Anfang 2025 in Kraft, während die Bestimmungen zu vermögenswertreferenzierten Kryptowerten und E-Geld-Token voraussichtlich im Juli 2024 umgesetzt werden. Diese Entwicklungen versprechen nicht nur mehr Rechtssicherheit für Innovationen im Bereich des Distributed Ledger, sondern auch eine stabilere und sicherere Umgebung für Investoren und Unternehmen. Die Herausforderungen, die sich im Zuge dieser Regulierung ergeben, könnten dennoch dazu führen, dass nur die widerstandsfähigsten Akteure im Markt überleben.

Für SwissBorg steht nun die Genehmigung in Frankreich an, um die europäischen Aktivitäten von der estnischen Tochtergesellschaft auf eine neu genehmigte französische Krypto-Asset-Dienstleistergesellschaft (CASP) zu verlagern. Diese Verlagerung wird angestrebt, sobald die betriebliche Einsatzbereitschaft bestätigt ist, mit einem besonderen Fokus auf Märkte wie Deutschland, die Niederlande, Italien und Spanien. In der dynamischen Welt der Krypto-Assets bleibt abzuwarten, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln und welche neuen Möglichkeiten sich für die Akteure im europäischen Markt ergeben werden.