Der Digital Asset Market Structure Clarity Act, auch bekannt als CLARITY Act, steht derzeit im Fokus der Diskussionen über die Zukunft des Kryptomarktes in den USA. Am 17. Juli 2025 wurde der Gesetzesentwurf mit 294-134 Stimmen im US-Repräsentantenhaus verabschiedet, hat jedoch den Senat noch nicht passiert und ist dort bereits zweimal ins Stocken geraten. Während sich die politischen Wogen hochschlagen, äußert Dr. Friederike Ernst, Mitgründerin des Gnosis Blockchain-Protokolls, ernsthafte Bedenken zu den möglichen Auswirkungen dieses Gesetzes.
Ernst warnt, dass der CLARITY Act großen Finanzinstitutionen potenziell die Kontrolle über Kryptowährungen in die Hände spielen könnte. Sie weist darauf hin, dass die Vorschriften des Gesetzes vorsehen, dass Aktivitäten über zentrale Intermediäre abgewickelt werden müssen, was die Gefahr birgt, dass die Krypto-Infrastruktur in den Händen weniger etablierter Akteure konzentriert wird. Dies könnte dazu führen, dass Benutzer zu Kunden werden, die lediglich Zugang zu Finanztechnologien mieten, anstatt tatsächlich Eigentümer der Netzwerke zu sein, auf die sie angewiesen sind.
Regulatorische Klarheit oder neue Unsicherheiten?
Der CLARITY Act hat das Potenzial, die regulatorische Zuständigkeit über Kryptowährungen zwischen der Securities and Exchange Commission (SEC) und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zu klären. Gleichzeitig schützt er Peer-to-Peer-Transaktionen und die Selbstverwahrung. Dennoch äußert Ernst Bedenken, dass der Gesetzesentwurf nicht genügend Schutz für offene, genehmigungsfreie Blockchain-Infrastrukturen und dezentrale Finanzprotokolle bietet. Dies könnte dazu führen, dass die gleichen Schwachstellen, die im traditionellen Finanzsystem existieren, auch in die Krypto-Welt eindringen.
Besonders kontrovers ist die Bestimmung, die es Krypto-Plattformen untersagt, Zinsen auf Stablecoins zu zahlen. Diese Regelung hat zu Widerstand in der Bankenindustrie geführt. Im Januar kündigte die Krypto-Börse Coinbase an, ihre Unterstützung für den Gesetzesentwurf zurückzuziehen, woraufhin CEO Brian Armstrong erklärte: „Wir hätten lieber kein Gesetz als ein schlechtes Gesetz.“ Dies verdeutlicht die tiefen Risse, die zwischen der Krypto- und der Bankenbranche bestehen.
Politische Einflüsse und der Weg nach vorn
US-Senator Bernie Moreno zeigt sich optimistisch, dass der CLARITY Act bis April verabschiedet wird und zur Unterzeichnung an Präsident Donald Trump weitergeleitet wird. Trump, der am 20. Januar 2025 als Präsident vereidigt wird, könnte eine positive Haltung gegenüber Kryptowährungen und Blockchain-Technologien einnehmen. Dies könnte den USA helfen, sich als führende Nation in der Krypto- und DeFi-Welt zu positionieren. Der CLARITY Act könnte dabei als Schlüssel zu einem zuverlässigeren regulatorischen Umfeld und garantierten Eigentumsrechten für Krypto-Besitzer dienen.
Die politischen Spannungen rund um den CLARITY Act lassen jedoch die Frage offen, ob dieser tatsächlich bis zur Frist der Midterm-Wahlen im November 2026 verabschiedet werden kann. Alex Thorn von der Investmentfirma Galaxy äußert sich skeptisch und erklärt, dass die Chancen, dass das Gesetz bis 2026 in Kraft tritt, extrem gering sind, wenn es bis April 2026 nicht verabschiedet wird. Die Herausforderungen, vor denen der Gesetzesentwurf steht, sind möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Fragen zu DeFi, Entwicklerschutz und regulatorischer Autorität müssen ebenfalls geklärt werden.
Der Jahr 2025 könnte als Wendepunkt für Kryptowährungen, DeFi und Stablecoins in die Geschichte eingehen, wenn es den Gesetzgebern gelingt, ein klares und unterstützendes regulatorisches Umfeld zu schaffen. Die Integration zwischen traditionellem Finanzwesen und DeFi wird Zeit in Anspruch nehmen, doch könnten Partnerschaften zwischen Banken und DeFi-Plattformen eine Möglichkeit bieten, Sicherheit und Effizienz zu kombinieren und die Risiken von DeFi zu mindern. In diesem Kontext bleibt abzuwarten, wie sich die Situation um den CLARITY Act weiterentwickelt und welche Folgen dies für die gesamte Branche haben wird.